Seperate Anlage zum Lehrbrief

Das Originaldokument hat eine Größe von ca. 30 x 19 cm

1717
Lehrn Brieff
Für den ehrbaren Johannes Hosp Maurergesöllen der Pfarr Perwang gerichtes Ehrnberg Lanndts Tyrol gebürtig

Der Lehrbrief mit zwei mächtigen Siegeln

Das Originaldokument hat eine Größe von ca. 65 x 27 cm und befindet sich im Besitz der Familie

Buchstabengetreue Abschrift des Gesellenbriefes als Maurer von Johannes Hosp aus Berwang in Tirol vom 19. Jannuar 1717 durch die Brudermeister der Maurer- Steinhauer und Zimmerer zu Bichlbach bei Reutte in Tirol. Dort befand sich 1697 die Hauptlade (=Hauptzunft) des Maurer- und Steinmetzgewerbes für den ganzen Außerfern/Tirol. "Sie gab dem Bevölkerungsüberschuß Arbeit und Brot vor allem in Südwestdeutschland"  (Franz Huter (Hrsg.) Handbuch der historischen Stätten Österreich 2. Band, Alpenländer mit Südtirol Stuttgart 1978 2. überarbeitete Auflage S. 524 Bichlbach.
(Prof. Dr. phil. Richard Laufner, Trier )

  Wir mit Nammen Johann Conradt unnd Caspar Seiths, derzeit  Bruedermaister einer ehrsamben Zunft zusammen veruebt, wie von weylandt Ihro Römiche Kaiser auch Königlichen Meyestötten Leopoldto unnd Josepho (Kaiser  Leopold I. 1658-1705 und Josef I.) 1705-1711 beeden denen ersten diser Nämmen gloreichisten Angedenkhens allergnedigesten zunfftmässig unnd mit Freyheit begabten Maurer-, Stainhauer unnd Zimmerhandtwerkh bey der Hauptladt zu Piechlpach unnd ganzen Gerichts zu Ehrnberg, ( = heute Ehrenberg/Tirol ) in der Erzfürstlichen Grafschaft Tyrol gelegen, bekennen von hanndtwerkswegen hiemit offentlich,  daß vermög von ainer ehrsamen Parrsladt (=Kirchenbuch Pfarrkirchliche Dokumente in der Pfarrtruhe) in Perwang als unseren Handtwerchsgenossen bey gebrachter authorisierter Attestation, der ehrsambe Johannes Hosp, ain ehelich erzeigter Sohn der ehbahren Ehewürthsleuth weylandter (= vormals) Hanns Hospen unnd Anna Glatzlin der Pfarr Perwang, Gerichts Ehrnberg gehaust seelig  (= verstorben) dem  auch ehrsamben Christian Maldanner hir namblet ersagter Pfarre Perwang wohnhafft, als ain zunftmäßigen Maister des Maurer Hanndtwerchs,  auf drey Jahr lang nach Hanndtwerklicher observanz ( = Regel), unnd mit gebrauchter all gueter Ordnung in Gegenwart  ehrlicher Maister und Gesellen an- unnd aufgedingt, unnd volglich, nach dem er, JohannesHosp gebruchige Lehrjahr bey gedacht seinen Lehrmaister völlig unnd beständig ausgedhauert unnd hierunter berichts ( =  berichtetes ) Maurerhandtwerch ganz wohl erlehrnet, auch sich solchergestalten ( = so) jederzeit fromb, ehrbar und frey verhalten, auch hiran meniglich unnd sonderbahr ( = alles und jedes) unser Hanndtwerch ganz wohl erlernet, auch sich solchergestalten ( = so) zumahlen ( = zumal ) von seinem gewesten (= gewesenen) Lehrmaister erholten (= geholten) Christian Maldanner nach Hanndtwerchsgebrauch wegen seiner vergnigten gentlichen ( =  froh  verbrachten, gesamten ) Lehrjahre, unndt gebihrlichen verhalts =( gebührlichen Verhalten) vor den versambleten ehrsamben Hanndtwerch frey, lödig gezölt ( = frei und ledig gesprochen ) unnd dariber hin, als ain rechtmessiger Maurergesöll bey offener Lad  (= zünftische Rechtshandlungen, wie z.B. Lossprechungen, wurden bei geöffneter Zunfttruhe, in der sich die Zunftordnung und andere Zunftdokumente befanden, vorgenommen) alda erkhennet unnd eingeschrieben worden. Da nunmehero unnd weillen gemelter Johannes Hosp uns behennende  ( = den Lehrbrief übergebende ) Hanndtwerchsvorsteher umb Erthaillung  aines gewöhnlichen Lehrnbriefs, umb sich dissen seiner Ehren Notturfft nach sich bedienen zu kennen, (= können) getan und belanget, als haben wir ihm auch ewicher Chrafft ( = mit ewiger Geltung ) dis besagten Maurer -Handtwerchs erfolgen lassen, anthun womögelich besonderlich aber unseren Hanndtwerchsgenossen gebührend ersuchen wollen, ihme Johannes Hosp, aller Orthen allwo diser Lehrnbrief aufgelegt wurdt, günstig befohlen sein zu lassen, unnd ihme, alle guete Hilff und gedeylichen Vorschub zu erweisen, so in dergleichen Begebenheiten hinwider unten nach Standesgebihr ( = Standesgebühr ) verschuldet werden solle.

   Zu wahren Urkundt dessen hat der freyerreichs ( = Reichsfreiherr ) hochwohlgeborne Herr, Herr Johannes Gaudenz Freyherr von Rost zu Aufhofen unnd Kelburg, Herr zu Singen unnd Meydtperg, der Römisch Kayser- auch Königlich catholischen Meyestett (= Majestät ) pp ( = praemissix praemittendis, des vorausgestzten Titels ) Cammerer, ( = Kämmerer Kaiserlicher Hofkämmerer, das heißt Güterverwalter ) General veldtwacht- maister, unnd Pfleger der Vestung unnd Herrschafft Ehrnberg, auch disorts wohlverordneter Zunfft- und Schutzherr, diesen Lehrnbrief zu dero daran gehenngten freyherrlichen Siegel unnd wür (= wir) bekhennende Hanndtwerchsvorsteher mit dem von allerhechst ernent Römich Kaiser unnd Königelicher Meyestetten allegnedigist erthailten Zunfftinsigel des doppelten Reichsadlers unnd beygesözt Hanndtwerchswappen, doch daran in all anderwierig on ( = ohne ) Predjudic ( = Vorurteil ) verliehen, bey ermelter Haubtlad als verförtiget.

Geben zu Piechlbach, ( heute Bichlbach ) den neinzehenden Tag monnats Januarii nach Christi Jesu gnadenreichichster Geburth gezölt an eintausentsibenhundertsibenzöehenden

Siegel ca 4 cm Durchmesser

Siegel ca 6 cm Durchmesser